Unter vier Augen_01 (Arbeitstitel) ist eine Produktion von Mia Lawrence und Tobias M. Draeger. Im Sommer 2016 begannen die beiden ein Experiment im Rahmen des Tanztauschprojekts „Transformance City Xchange“, bei dem ein Arbeitsstand am 15. Oktober im Theater HochX gezeigt wurde. Nun soll der Arbeitsprozess im Jahr 2017  fortgesetzt und  zu einem abendfüllenden Stück weiter entwickelt werden.

Das Ausgangsmaterial sind zwei sehr unterschiedliche Soli der beiden KünstlerInnen: ein Solo aus den Neunziger Jahren (Mia Lawrence) und  ein Solo aus dem Jahr 2014 (Tobias Draeger).

Die Reflektion über die eigene und die fremde Arbeit führt beide ProtagonistInnen, die aus unterschiedlichen Generationen und Nationen stammen, zur Entwicklung eines neuen Werks. Durch den intensiven Austausch der beiden über einen längeren Zeitraum soll eine spannende Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Realitäten entstehen.

Mia Lawrence und Tobias M. Draeger setzen sich mit der Wahrnehmung und mit konditionierten Sehgewohnheiten von Zeit, Raum und Beziehungen auseinander.  In ihrer Performance hinterfragen sie diese und entwickeln immer wieder Wendungen und Brüche, wodurch sich die Zuschauer in einem permanenten Zustand der Neu-Orientierung befinden.
Elemente dieser Performance sind Bewegung, klares einfaches Lichtdesign, Spiegelflächen, sowie Echtzeit-Sound und Video. Diese werden live von den beiden KünstlerInnen in der Performance entwickelt.

Licht und visuelle Bilder werden de-kontextualisiert, vergrößert oder auf das Kleinste minimiert, indem die Spiegelflächen an diversen Orten platziert und  bewegt werden. Dadurch wird der Raum kontinuierlich verändert und die räumliche Wahrnehmung verschoben. Die verspiegelten Oberflächen in Bewegung verändern den Fokus des Beobachters, reflektieren Lichter und Bilder des Raums oder der Personen auf der Bühne.

Sie werden verwendet, um die beiden KünstlerInnen voneinander zu separieren, um das Gefühl von zwei verschiedenen parallelen Welten zu etablieren, in denen parallele Aktionen stattfinden können, die sowohl miteinander verbunden als auch getrennt voneinander sein können.

Die KünstlerInnen bewegen sich auf der Bühne durch kontrastreiche Performance: während der eine mit gewöhnlichen Bewegungsaktivitäten und Aktionen beschäftigt ist, entwickelt der andere einen eigenen Charakter und Körperzustand. Scheinbar belegen sie unterschiedliche theatrale Welten.Hier treffen die beiden verschiedenen Soliarbeiten auf – und ineinander: unterstützend, zurückweisend und sich gegenseitig hinterfragend.

In der Weiterentwicklung der Recherche möchten die beiden KünstlerInnen eine neue Situation aufbrechen und eine intime, persönliche Unterhaltung beginnen. Eine Unterhaltung unter vier Augen, geführt durch Bewegung, Sprache, reale und imaginäre theatrale Werkzeuge.

Im Fokus des Stücks steht die Auseinandersetzung mit unserer täglichen Wahrnehmung und unserer Überzeugung davon, dass das, was wir sehen, hören und  glauben, „wirkliches “ und “ objektives“ Wissen ist. Was wir sehen und hören basiert auf unseren vergangenen individuellen Erfahrungen & Erinnerungen.

Die Performance soll durch eine Verdichtung der Elemente und durch eine nicht-lineare Dramaturgie das Publikum dazu bringen, sich selbst zu hinterfragen, seinen eigenen, ganz persönlichen Modus von Zeit und Raum wahrzunehmen.

Konzept/ Performance: Mia Lawrence, Tobias M. Draeger
Licht: Rainer Ludwig
Produktionsleitung: Sabine Klötzer